Meine erste digitale Leica ist die M9, als diese 2009 vorgestellt wurde habe ich mich spontan entschlossen sie zu bestellen. Die M8 hatte mich nicht gereizt, zu viele schlechte Bewertungen und Tests, durch die Canon 5D Mark II war ich auf Vollformat fixiert, ein Faktor der sich bis heute deutlich in meinen Kamerapräferenzen zeigt, die einzigen Ausnahmen sind die Fujifilm X-T1 und X-T2.
Die M9 bekam ich Ende Dezember 2009, ich habe mich damals für das Summicron-M 2/50mm als erstes Objektiv entschieden, die ersten Fotos waren gräßlich, ich zweifelte an mir, eine Meßsucherkamera fordert einen Autofokus-Junkie sehr, nach einigen Tagen wurden die Ergebnisse besser und meine Gedanken die Kamera zurückzugeben verschwanden.
Bei einem Besuch in Berlin erstand ich dort im Leica Store ein gebrauchtes Summilux-M 1.4/35mm Apsh, als zweites Objektiv für die M9. Dieses entwickelte sich schnell zu meinem Lieblingsobjektiv, für einige Jahre versuchte ich meine persönliche Bildsprache auf 35mm Brennweiten zu konzentrieren, besonders bei offener Blende von 1,4 mit dem fantastischen Bokeh.
Als 2013 die Leica M (Typ 240), meistens M240 genannt, vorgestellt wurde, habe ich bei meinem Leica Händler eine vorbestellt. Neue Features wie Live-View und der elektronische Aufstecksucher brachten viele Vorteile, besonders für mich als Brillenträger. Es lässt sich nicht nur genauer fokussieren, der Sucher hilft auch bei der Komposition und Bildauswahl, da er das volle Sichtfeld des Objektives zeigt.
Dennoch, die M240 hat mich nie voll überzeugen können, der Wechsel der Sensortechnik führte zu einer deutlich geänderten Farbwiedergabe gegenüber der M9, somit nutzte ich meine Leicas nur noch wenig, neue Kameras wie die Sony A7r und deren Nachfolger die sehr gute A7RM2 und die Fuji X-T1 entwickelten sich schnell zu meinen Favoriten.
Die ersten Gerüchte und Meldungen um den M240 Nachfolger Ende 2016 verfolgte ich deshalb wohl ohne große Aufmerksamkeit, die Fuji GFX 50s spukte mir bereits im Kopf herum, erst mit der Vorstellung im Januar wurde ich hellhörig, Ich fragte bei meinem Leica per E-Mail an ab wann er mit Auslieferungen rechnen würde, innerhalb von einigen Tagen erwartet er die ersten Exemplaren. Aus wenigen Tagen wurde einer, so dass ich mich spontan auf dem Weg machte.
Kauffieber, was ich sehr häufig habe, machte sich auf dem Weg nicht bemerkbar, ich dachte eher daran mal einen Blick drauf zuwerfen, mehr aus Neugier, als ich die M10 schliesslich in der Hand hielt, war das Kauffieber am Anschlag. Es ist schwer zu beschreiben, aber irgendwas löste diese Leica in mir aus.
So fuhr ich wieder nach Hause, im Gepäck die M10, ein Zusatzakku und der Visioflex Sucher. Wie meistens wenn ich eine neue Kamera habe, machte ich erstmal einen Spaziergang durch Göttingen, da ich die M240 oder M9 länger nicht benutzt hatte, war zunächst eine kleine Eingewöhnungsphase, besonders was das fokussieren ohne den elektronische Aufstecksucher angeht, nötig. Der deutliche verbesserte Meßsucher erleichtert die Eingewöhnung aber deutlich, auch für Anfänger ist das Fokussieren einfacher geworden.
In den letzten acht Wochen habe ich die M10 sehr häufig eingesetzt, sie hat mir bisher sehr viel Freude gebracht und viele schöne Fotos, einige kleine Bugs gibt es noch, ein Firmware Update hat bereits einiges korrigiert, hin und wieder zeigt die M10 im Live-View ein stark überbelichtetes Bild, nach dem Auslösen erscheint jedoch das korrekt belichtete Foto.
Nicht nur der manuelle Fokus, sondern die gesamte Auslegung einer Leica M führen zu einem entschleunigten Fotografieren, das dann der elektronische Sucher nicht zu den schnellsten seiner Art gehört kann ich verkraften, einige bemängeln das die Latenzen die zwischen dem Auslösen und der Anzeige des Fotos im Sucher zu lange dauern würden, ja andere EVFs sind da schneller, besonders wenn man den Sucher der Leica SL als Maßstab nimmt.
Die M10 ist für mich die beste digitale M bisher, das ist meine Meinung, dieser Artikel soll kein Test sein, er soll meine Leica Historie und die ersten Eindrücke die ich von der M10 habe aufzeigen. Vielleicht schreibe ich demnächst noch einen Testbericht, mit der neuen M10 und der neuen Fuji GFX 50S habe genug Material zum Testen und Vergleichen.
